Sie müssen keinen Bunker bauen. Aber Sie sollten drei Tage ohne Strom, Leitungswasser oder Internet auskommen können. Ein Überblick darüber, was sinnvoll ist, was oft vergessen wird und was Sie sich sparen können.
Vor ein paar Jahren klang das Wort „Notfallset” noch nach Weltuntergangsstimmung. Das hat sich geändert. Die niederländische Regierung fordert Haushalte mit der Kampagne Denk Vooruit inzwischen selbst auf, sich auf einen Notfall vorzubereiten. Dahinter steht keine einzelne konkrete Bedrohung. Es geht um die Summe vieler Risiken: Extremwetter, Überschwemmungen, großflächige Stromausfälle und anfällige digitale Systeme.
Der Grundgedanke ist einfach. Bei einer größeren Störung kann es eine Weile dauern, bis Hilfskräfte alle erreichen. Als Faustregel gilt, dass Sie 72 Stunden selbstständig überbrücken können sollten. Das ist keine Panikmache, sondern dieselbe Logik wie beim Feuerlöscher in der Küche: Man hofft, ihn nie zu brauchen.
Die Frage ist also nicht, ob Sie etwas im Haus haben sollten, sondern was. Genau da wird es oft unübersichtlich. Die Listen im Netz reichen von vernünftig bis absurd.
Die Grundausstattung: sechs Dinge, die Sie wirklich brauchen
1. Wasser. Das ist der wichtigste und zugleich am häufigsten unterschätzte Punkt. Rechnen Sie mit etwa drei Litern pro Person und Tag, zum Trinken und für eine minimale Hygiene. Für eine vierköpfige Familie sind das rund 36 Liter für drei Tage, mehr als die meisten erwarten. Vergessen Sie Ihre Haustiere nicht.
2. Haltbare Lebensmittel, die ohne Herd essbar sind. Zum Beispiel Bohnen oder Fisch aus der Dose, Cracker, Nussmus, Trockenobst und Müsliriegel. Wählen Sie vor allem, was Ihre Familie ohnehin isst. Ein Notfall ist nicht der richtige Moment, um festzustellen, dass niemand die Linsen mag. Und legen Sie einen manuellen Dosenöffner dazu. Der wird erstaunlich oft vergessen.
3. Licht und Information. Eine Taschen- oder Stirnlampe mit Ersatzbatterien. Dazu ein Radio mit Batterie- oder Kurbelbetrieb, damit Sie den Notfallsender empfangen können, wenn Internet und Mobilfunknetz ausfallen. Eine geladene Powerbank hilft, das Handy am Laufen zu halten, aber verlassen Sie sich nicht allein darauf.
4. Erste Hilfe und Medikamente. Ein Verbandkasten sowie ein Vorrat der Medikamente, die Familienmitglieder täglich brauchen. Letzteres ist schwierig, weil man sie meist nicht einfach zusätzlich bekommt. Sprechen Sie das bei Ihrer Hausärztin oder in der Apotheke an.
5. Bargeld. Bei einem Stromausfall funktionieren weder Geldautomaten noch Kartenterminals. Ein kleiner Betrag in kleinen Scheinen reicht.
6. Wärme und Hygiene. Decken oder ein warmer Schlafsack, Feuchttücher, Toilettenpapier, Müllbeutel. Nicht spannend, aber entscheidend, wenn es ein paar Tage dauert.
Was in fast jedem Set fehlt
Wer mit Familien über Vorsorge spricht, hört immer wieder dieselben blinden Flecken.
- Eine Telefonliste auf Papier. Kaum jemand kennt noch Nummern auswendig. Ist das Handy leer, sind sie weg.
- Kopien wichtiger Dokumente. Ausweise, Versicherungsunterlagen, medizinische Angaben. Bewahren Sie sie in einer wasserdichten Hülle auf.
- Sachen für Kinder. Windeln, Babynahrung, ein Kuscheltier, ein Kartenspiel. Drei Tage ohne Bildschirm sind lang für ein Kind, und für die Eltern auch.
- Eine Ersatzbrille oder Kontaktlinsen. Klein, leicht zu vergessen, und sehr lästig, wenn sie fehlen.
- Absprachen. Wo treffen Sie sich, wenn niemand erreichbar ist? Wer holt die Kinder von der Schule? Zehn Minuten am Küchentisch sind vielleicht der wertvollste Teil Ihrer Vorbereitung.
Was Sie sich sparen können
Ehrlich gesagt: Nicht alles, was als „Survival-Ausrüstung” verkauft wird, ist in einer normalen Wohnung nötig. Vorräte für Monate, Gasmasken oder taktische Gadgets sind für die meisten Haushalte überflüssig. Kerzen sind stimmungsvoll, bergen aber Brandgefahr, und das genau dann, wenn die Feuerwehr womöglich schwerer erreichbar ist. Eine gute LED-Lampe ist sicherer.
Selbst zusammenstellen oder fertig kaufen?
Beides ist in Ordnung. Selbst zusammenstellen ist günstiger, wenn Sie vieles schon zu Hause haben, und Sie wissen genau, was drin ist. Der Nachteil ist, dass es in der Praxis oft nicht dazu kommt: eine Taschenlampe in der einen Schublade, Batterien in der anderen, und das Wasser „muss noch gekauft werden”.
Ein fertiges Set löst vor allem dieses Problem: Alles liegt an einem Ort. Anbieter wie GetReadySet haben sich auf genau diese Art der Vorsorge spezialisiert. Wer sehen möchte, was in einem solchen Set steckt, kann sich ihre zusammengestellten Notfallsets als Ausgangspunkt ansehen. Der persönliche Teil bleibt aber Ihre eigene Aufgabe: Medikamente, Dokumente, Kindersachen und die Absprachen am Küchentisch kann man nirgends kaufen.
Pflege: an die Zeitumstellung koppeln
Ein Notfallset kauft man nicht einmal und vergisst es dann. Wasser und Lebensmittel laufen ab, Batterien entladen sich, Kinder wachsen aus ihrer Kleidung heraus. Eine praktische Gewohnheit ist, das Set bei der Zeitumstellung durchzusehen, im März und im Oktober. So wird es zur Routine, und Sie müssen nicht weiter daran denken.