Ein Mechaniker in Dortmund entdeckte bei einer Routineinspektion dass ein Kombi schwere Unfallschäden hatte die der Vorbesitzer verschwiegen hatte

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Er hat den Kunden angerufen und gesagt er soll nochmal vorbeikommen. Der Lehrer aus Lünen stand dann eine halbe Stunde in der Werkstatt und hat zugeschaut wie Schäfer ihm gezeigt hat was er gefunden hat. Kotflügel rechts nachlackiert, Stoßstange getauscht, der Längsträger an der Beifahrerseite hatte Verformungen die jemand versucht hatte zu richten, nicht schlecht gemacht, sagt Schäfer, wer das gemacht hat wusste was er tut, nur eben nicht gut genug um einen Mechaniker zu täuschen der seit zwanzig Jahren Autos repariert. Der Lehrer hat den Kaufvertrag rausgeholt, da stand drin unfallfrei laut Vorbesitzer, und der Händler in Hörde hatte das im Inserat genauso angegeben. Der GDV, also der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, berichtet dass etwa jede zehnte Schadenmeldung in der Kfz-Versicherung verdächtig ist, und verschwiegene Unfallschäden gehören zu den häufigsten Betrugsformen beim Gebrauchtwagenverkauf. Der BGH hat in mehreren Urteilen klargestellt dass ein Händler eine Untersuchungsobliegenheit hat und Unfallschäden offenlegen muss die ihm bekannt sind oder bei zumutbarer Prüfung hätten auffallen müssen.

Schäfer erzählt mir dass er solche Fälle vielleicht einmal im Monat sieht, manchmal öfter wenn gerade Saison ist, Frühjahr und Herbst, da wird am meisten gekauft. Meistens sind es Autos im Preissegment zwischen 8000 und 15000 Euro, also genau da wo die Leute ein Auto kaufen das ordentlich aussieht und von dem sie erwarten dass es die nächsten drei vier Jahre problemlos läuft. Die Differenz zwischen einem unfallfreien und einem reparierten Unfallwagen liegt bei diesen Modellen schnell bei 3000 bis 5000 Euro, und genau das ist die Marge die den Betrug antreibt. Der TÜV-Report 2026 hat 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen ausgewertet und festgestellt dass etwa sechs Prozent der dreijährigen Fahrzeuge erhebliche Mängel haben, bei zehnjährigen steigt die Quote deutlich an, und ein Teil dieser Mängel geht auf nicht fachgerecht reparierte Unfallschäden zurück, auch wenn der TÜV das nicht separat ausweist.

Mechaniker in Dortmund

Was mich an solchen Fällen besonders ärgert, sagt Schäfer, ist dass die Reparatur an sich oft gar nicht schlecht ist. Der Wagen fährt, die Türen schließen, die Spaltmaße passen halbwegs. Nur die Struktur stimmt nicht mehr. Ein Längsträger der einmal verformt war und dann kalt gerichtet wurde hat andere Materialeigenschaften als ein originaler, der gibt bei einem zweiten Aufprall anders nach, und das kann im schlimmsten Fall den Unterschied machen zwischen einer Beule und einem Totalschaden mit Verletzten. Das sagt nicht nur Schäfer so, das sagt auch die DEKRA in ihrem Gebrauchtwagenreport, dass kosmetisch reparierte Strukturschäden ein Sicherheitsrisiko darstellen das bei der HU nicht systematisch erkannt wird. Der Prüfer bei der Hauptuntersuchung guckt sich den Wagen zwanzig Minuten an, vielleicht fünfundzwanzig, er prüft Bremsen, Licht, Abgase, Fahrwerk, da bleibt keine Zeit den Lack durchzumessen.

Der Lehrer hat den Wagen prüfen lassen, nachdem Schäfer ihm das empfohlen hatte, und der Fahrzeughistorienbericht zeigte einen registrierten Unfallschaden aus dem Jahr 2021, also drei Jahre vor dem Verkauf. Der Händler in Hörde hatte das entweder gewusst und verschwiegen oder er hatte den Wagen angekauft ohne selbst zu prüfen, und beides ist nach der Rechtsprechung des BGH problematisch. §263 StGB, Betrug, wenn der Schaden vorsätzlich verschwiegen wurde. §434 BGB, Sachmangel, in jedem Fall. Der Lehrer hat einen Anwalt eingeschaltet, der hat Rücktritt vom Kaufvertrag erklärt, und nach drei Monaten Hin und Her hat der Händler den Wagen zurückgenommen und den Kaufpreis erstattet, abzüglich einer Nutzungsentschädigung von ungefähr 900 Euro. Der Lehrer war nicht zufrieden damit, erzählt Schäfer, der hatte sechs Monate lang ein Auto gefahren von dem er dachte es sei unfallfrei, und jetzt steht er da ohne Auto und hat Anwaltskosten die er vielleicht zurückbekommt und vielleicht auch nicht.

Schäfer hat angefangen bei jedem Gebrauchtwagen der zur Inspektion kommt den Lack zu messen, dauert fünf Minuten, macht er einfach nebenbei. Er sagt von zehn Autos die er so prüft zeigen zwei oder drei Auffälligkeiten, nicht immer schwere Unfallschäden, manchmal nur nachgebesserter Parkrempler, einmal ein kompletter Seitenwechsel wo jemand die ganze linke Seite getauscht hatte nach einem seitlichen Zusammenstoß und das nirgendwo vermerkt war. Der Polizeilichen Kriminalstatistik zufolge wurden 2023 bundesweit 12840 Betrugsdelikte mit Kraftfahrzeugbezug registriert, eine Aufschlüsselung nach Unfallbetrug gibt es nicht. Schäfer glaubt die Dunkelziffer ist enorm, weil die meisten Käufer es nie erfahren und die die es erfahren oft den Aufwand scheuen einen Rechtsstreit anzufangen. Der Kombi aus Hörde steht wahrscheinlich inzwischen wieder zum Verkauf, irgendwo, vielleicht mit dem Hinweis unfallfrei, vielleicht ohne. Schäfer sagt er hofft dass der nächste Käufer einen guten Mechaniker hat. Oder wenigstens eine Schwester die ihm sagt er soll die Fahrzeughistorie prüfen, weil meistens reiche das schon. Die Berichte kosten zehn bis zwanzig Euro, ein carvertical rabatt drückt das gelegentlich noch weiter, was im Vergleich zu den vier fünftausend Euro die ein verschwiegener Unfallschaden im Werterhalt frisst nichts ist. Er selbst hat drei Kinder, zwei davon im Führerscheinalter, und er sagt wenn die irgendwann ein Auto kaufen fährt er persönlich hin und misst den Lack durch, egal ob die das wollen oder nicht. Das hat er genau so gesagt, und er hat dabei gelacht, so wie Väter lachen die das absolut ernst meinen.