Ein Gespräch mit Nicole Junkermann, Gründerin von NJF Holdings
In einer Zeit, die von schnellen Schlagzeilen und kurzfristigen Marktreaktionen geprägt ist, hat Nicole Junkermann ihre Investmentphilosophie auf eine andere Überzeugung gestützt: Dauerhafter Wert braucht in der Regel Zeit und entsteht häufig abseits des Rampenlichts.
Über NJF Holdings und NJF Capital hat sie in Unternehmen aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Fintech, Deep Tech, Life Sciences und strategische Infrastruktur investiert. Dazu zählen Investments wie SpaceX, Revolut und Groq, die ihre internationale Investmentstrategie widerspiegeln.
Wir haben mit Nicole Junkermann darüber gesprochen, warum technologische Infrastruktur wichtig ist, was viele Investoren noch immer übersehen, wie sie ihre Investmentplattform aufgebaut hat und warum langfristiges Denken ein ernstzunehmender Vorteil sein kann.
Frage: Warum ist technologische Infrastruktur für Sie als Investorin so wichtig?
Weil Infrastruktur alles prägt, was auf ihr aufbaut.
Menschen nehmen naturgemäß Verbrauchermarken, populäre Apps oder Produkte wahr, mit denen sie direkt interagieren. Unter diesen Unternehmen liegen jedoch die Systeme, die sie überhaupt erst möglich machen: Zahlungsinfrastrukturen, Rechenleistung, Cybersicherheit, Unternehmenssoftware, Halbleiter und Datenarchitektur.
Wenn sich diese Ebenen verbessern, können sich ganze Branchen schneller bewegen und effizienter arbeiten. Kosten sinken, Effizienz steigt und neue Produkte werden möglich. Deshalb ist Infrastruktur so wichtig. Sie schafft nicht nur einmal Wert, sondern immer wieder.
Frage: Nicole Junkermann, was missverstehen viele Investoren bei Infrastruktur?
Sie verwechseln häufig Sichtbarkeit mit Wert.
Ein Unternehmen muss nicht bekannt oder laut sein, um wichtig zu sein. Einige der stärksten Unternehmen der Welt sind leise in die Arbeitsabläufe Tausender Kunden eingebettet. Sie stehen nicht immer auf den Titelseiten, sind aber für ihre Nutzer unverzichtbar.
Das ist wichtig, weil Verlässlichkeit Widerstandsfähigkeit schafft. Wenn ein Produkt essenziell wird, entsteht etwas deutlich Stabileres als ein Geschäftsmodell, das nur von Hype oder Aufmerksamkeit getragen wird.
Frage: Wie hat sich Ihre langfristige Perspektive entwickelt?
Vor allem durch Erfahrung und Intuition.
Man erkennt ziemlich schnell, dass bedeutende Unternehmen selten geradlinig entstehen. Es gibt Rückschläge, Verzögerungen, Kurswechsel und Phasen, in denen die äußere Wahrnehmung die Realität völlig falsch einordnet.
Märkte sind ungeduldig. Sie verlangen sofortige Beweise. Einige der wertvollsten Unternehmen brauchen jedoch Zeit, um zu reifen. Wenn der eigene Horizont zu kurz ist, reagiert man am Ende auf Lärm und verpasst das größere Bild.
Frage: Wie erkennen Sie langfristige Chancen frühzeitig?
Ich versuche, mich auf strukturellen Bedarf zu konzentrieren, nicht auf vorübergehende Begeisterung.
Löst das Unternehmen ein echtes Problem? Wächst dieses Problem? Ist der Markt groß genug, um relevant zu sein? Wird das Produkt mit der Zeit wertvoller? Kann sich das Team an veränderte Bedingungen anpassen?
Diese Fragen sagen meist mehr aus als die Frage, ob etwas in diesem Quartal im Trend liegt. Trends kommen und gehen. Echte Nachfrage bleibt eher bestehen.
Frage: NJF Capital hat in Unternehmen wie SpaceX, Revolut und Groq investiert. Was verbindet solche Chancen?
Es sind sehr unterschiedliche Unternehmen, aber sie teilen einige wichtige Eigenschaften.
Sie sind ambitioniert. Sie bewegen sich in großen Märkten. Und wenn sie gut umsetzen, haben sie globale Relevanz.
Mich haben immer Unternehmen angezogen, die nicht nur inkrementell denken. Sie versuchen, die Wirtschaftlichkeit oder die Fähigkeiten einer Branche auf relevante Weise zu verändern.
Frage: Erfordert langfristiges Investieren eine andere Denkweise?
Ja, auf jeden Fall.
Kurzfristige Märkte belohnen Reaktionsgeschwindigkeit. Langfristiges Investieren belohnt eher Urteilsvermögen, Disziplin und emotionale Stabilität.
Man braucht Überzeugung, wenn der Lärm groß ist. Gleichzeitig braucht man Demut, wenn sich Fakten ändern. Es geht nicht darum, stur zu sein. Es geht darum, länger als andere einen klaren Kopf zu behalten.
Frage: Welche Rolle spielt Technologie für die künftige Wettbewerbsfähigkeit Europas?
Eine große Rolle. Europa verfügt über außergewöhnliche Talente, Forschungseinrichtungen und industrielle Tiefe. Die Chance besteht darin, diese Stärken in global stärker skalierte Unternehmen und robustere strategische Fähigkeiten zu übertragen.
Technologische Infrastruktur wird Produktivität, Souveränität und Wachstum auf dem gesamten Kontinent prägen. Das ist längst kein Nischenthema mehr, sondern ein zentraler Faktor wirtschaftlicher Stärke.
Frage: Was begeistert Sie derzeit am meisten?
Wir treten in eine Phase ein, in der künstliche Intelligenz, Hochleistungsrechnen, Biologie und industrielle Innovation einander gegenseitig verstärken werden.
Diese Verbindung eröffnet enorme Chancen, erhöht aber auch die Bedeutung von Urteilsvermögen. Die Frage lautet nicht nur, was gebaut werden kann. Sie lautet auch, was gebaut werden sollte und was die Welt tatsächlich brauchen wird.
Frage: Was ist das zentrale Prinzip hinter Ihrem Ansatz?
Auf Dauerhaftigkeit bauen.
Schlagzeilen verblassen. Moden vergehen. Unternehmen, die echte Probleme lösen und Vertrauen gewinnen, bestehen deutlich länger.
Über Nicole Junkermann
Nicole Junkermann, geboren 1980, ist eine internationale Investorin und Unternehmerin mit Fokus auf Technologie, künstliche Intelligenz, Life Sciences, Sport und Medien. Sie ist Gründerin von NJF Holdings, einer globalen Investmentplattform, zu der NJF Capital als Venture-Arm sowie Gameday by NJF Holdings gehören.
Über NJF Capital hat Junkermann Unternehmen aus den Bereichen Deep Tech, Gesundheitswesen, Fintech und strategische Infrastruktur unterstützt, darunter SpaceX, Revolut, Groq, Owkin, Rippling, Cambrian Biopharma und Tempus. Ihre Investmenttätigkeit spiegelt einen langfristigen Fokus auf Technologien wider, die Produktivität, Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit in globalen Märkten stärken können.