Wer einen E-Scooter nicht nur auf Privatgelände, sondern im deutschen Straßenverkehr nutzen möchte, sollte beim Kauf genauer hinschauen. Ein Modell mit beeindruckender Motorleistung oder hoher Reichweite ist nicht automatisch legal auf öffentlichen Straßen unterwegs.
Entscheidend ist, dass der E-Scooter die deutschen Anforderungen erfüllt und über die notwendige Betriebserlaubnis verfügt. Gerade bei Modellen, die auch als internationale Version mit 25 km/h oder mehr angeboten werden, kann die genaue Variante einen großen Unterschied machen.
Für Käufer bedeutet das: Nicht nur technische Daten vergleichen, sondern ausdrücklich prüfen, ob die angebotene Version für Deutschland zugelassen ist.
Was bedeutet Straßenzulassung bei einem E-Scooter?
Die rechtliche Grundlage bildet in Deutschland die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung, kurz eKFV.
Als Elektrokleinstfahrzeuge gelten unter anderem Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb und einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 6 km/h und höchstens 20 km/h. Die Nenndauerleistung darf bei einem klassischen E-Scooter grundsätzlich höchstens 500 Watt betragen.
Damit ein entsprechendes Fahrzeug auf öffentlichen Straßen genutzt werden darf, benötigt es außerdem eine Allgemeine Betriebserlaubnis oder eine Einzelbetriebserlaubnis.
In der Praxis begegnet Käufern deshalb häufig die Abkürzung ABE – Allgemeine Betriebserlaubnis.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Nennleistung und Spitzenleistung. Ein E-Scooter kann beispielsweise eine Nenndauerleistung von 450 oder 500 Watt haben und kurzfristig deutlich höhere Spitzenleistungen bereitstellen. Eine hohe beworbene Peak-Leistung bedeutet daher nicht automatisch, dass das Fahrzeug gegen die deutsche Leistungsgrenze verstößt.
Was braucht man zusätzlich zur Straßenzulassung?
Eine vorhandene Betriebserlaubnis allein reicht für den Alltag noch nicht.
Vor der Fahrt auf öffentlichen Straßen muss der E-Scooter entsprechend versichert sein. Nach Abschluss der Versicherung erhält der Halter eine Versicherungsplakette beziehungsweise das entsprechende Versicherungskennzeichen.
Beim Kauf eines E-Scooters mit Straßenzulassung sollte deshalb auch eine Datenbestätigung beziehungsweise die für die Versicherung erforderliche Fahrzeugdokumentation vorhanden sein.
Ein klassischer Führerschein ist für die Nutzung eines normalen, entsprechend zugelassenen E-Scooters nicht erforderlich.
Vorsicht bei 25-km/h-Versionen
Viele Hersteller verkaufen ihre E-Scooter in mehreren europäischen Märkten. Das gleiche Grundmodell kann deshalb beispielsweise als deutsche 20-km/h-Version und als 25-km/h-Version für andere Länder angeboten werden.
Genau hier entsteht beim Onlinekauf ein häufiges Missverständnis.
Auf einem Produktbild sehen beide Scooter möglicherweise identisch aus. Rechtlich können es jedoch unterschiedliche Varianten sein. VMAX kennzeichnet beim VX2 Pro beispielsweise ausdrücklich die 20-km/h-Variante als Version mit Straßenzulassung in Deutschland, während die 25-km/h-Version ohne deutsche Straßenzulassung angeboten wird.
Wer in Deutschland fahren möchte, sollte daher nicht allein nach dem Modellnamen bestellen, sondern die konkrete deutsche Variante prüfen.
6 E-Scooter mit Straßenzulassung im Vergleich
1. NAVEE ST3 Pro – komfortorientierter Allrounder
Der NAVEE ST3 Pro ist eine interessante Option für Fahrer, die deutsche Straßentauglichkeit mit einer umfangreichen Komfortausstattung kombinieren möchten.

Die deutsche Version ist auf 20 km/h ausgelegt. NAVEE nennt eine Nenndauerleistung von 450 Watt und eine Spitzenleistung von bis zu 1.350 Watt. Die Reichweite wird mit bis zu 65 km bei 20 km/h beziehungsweise bis zu 75 km bei 15 km/h angegeben.
Besonders auffällig ist das Federungssystem an Vorder- und Hinterrad. Damit richtet sich der ST3 Pro nicht nur an Nutzer, die kurze Wege zum Bahnhof zurücklegen, sondern auch an Pendler, die regelmäßig längere Strecken über unterschiedlich gute Straßen fahren.
Dazu kommen ein dreifaches Bremssystem, eine maximale Zuladung von 120 kg, Blinker und Apple Find My.
Mit rund 25 kg ist er allerdings kein besonders leichter Scooter. Wer sein Fahrzeug regelmäßig Treppen hinauftragen muss, sollte diesen Punkt berücksichtigen.
Geeignet für: Pendler und Vielfahrer, die Straßenzulassung mit hohem Fahrkomfort verbinden möchten.
2. Segway-Ninebot MAX G3 D – für lange Alltagsstrecken
Der Buchstabe „D“ ist bei vielen Segway-Modellen ein wichtiger Hinweis auf die für Deutschland vorgesehene Ausführung.
Der MAX G3 D fährt mit rund 20 km/h und besitzt einen Motor mit 500 Watt Nennleistung. Segway nennt eine Reichweite von bis zu 75 km bei 20 km/h und bis zu 80 km bei 15 km/h.
Zur Ausstattung gehören hydraulische Federungen vorne und hinten, 11-Zoll-Reifen, Scheibenbremsen an beiden Rädern, Blinker sowie eine Halterung für das Versicherungskennzeichen.
Mit etwa 24,6 kg gehört auch dieses Modell eher in die Kategorie der komfortorientierten E-Scooter als in die der besonders leichten Last-Mile-Fahrzeuge.
Geeignet für: längere Arbeitswege und Fahrer, die ein umfangreich ausgestattetes Alltagsfahrzeug suchen.
3. Xiaomi Electric Scooter 6 – City-Allrounder mit großen Reifen
Xiaomi gehört zu den bekanntesten Herstellern im europäischen E-Scooter-Markt. Der Electric Scooter 6 ist auch in einer deutschen 20-km/h-Ausführung erhältlich.
Das Modell bietet 400 Watt Nennleistung, bis zu 800 Watt Spitzenleistung und eine vom Hersteller angegebene Reichweite von bis zu 45 km. Die 12-Zoll-Reifen gehören zu den größeren Reifen in dieser Fahrzeugklasse. Hinzu kommt eine Federung vorne und hinten.
Für den Xiaomi Electric Scooter 6 sind in Deutschland entsprechende ABE-Genehmigungen dokumentiert.
Mit rund 26,3 kg ist das Modell allerdings schwerer als manche früheren Xiaomi-Scooter. Für Nutzer, die ihren Roller häufig tragen möchten, ist das ein wichtiger Faktor.
Geeignet für: Stadtfahrer, die einen bekannten Allrounder mit großen Reifen und Federung suchen.
4. Egret X ultra – Premium-Modell mit ABE
Beim Egret X ultra kommuniziert der Hersteller die Straßenzulassung besonders eindeutig: Das Modell fährt mit 20 km/h und wird mit ABE für den deutschen Straßenverkehr angeboten. Für öffentliche Straßen ist zusätzlich die Versicherungsplakette erforderlich.
Der X ultra bietet bis zu 90 km Hersteller-Reichweite, 12,5-Zoll-Luftreifen, eine Frontfederung und eine maximale Zuladung von 130 kg.
Mit rund 25 kg Gewicht und der umfangreichen Ausstattung richtet sich das Modell eher an regelmäßige Fahrer als an Nutzer, die nur einen möglichst kleinen Scooter für die letzte Meile suchen.
Geeignet für: Vielfahrer mit höherem Budget und Fokus auf Reichweite, Stabilität und Komfort.
5. ePowerFun ePF-2 XT 835 – große Batterie und deutsche ABE
Der ePF-2 XT 835 verfolgt einen etwas anderen Ansatz. Sein auffälligstes Merkmal ist der große Akku mit 835 Wh.
ePowerFun gibt eine Reichweite von bis zu 100 km an. Der Scooter besitzt 500 Watt Nenndauerleistung, einen Hinterradmotor, eine Federgabel vorne sowie Blinker vorne und hinten.
Besonders relevant für dieses Thema: Der Hersteller nennt ausdrücklich eine deutsche Straßenzulassung mit ABE.
Mit rund 21 kg bleibt der ePF-2 trotz der hohen Akkukapazität vergleichsweise moderat beim Gewicht.
Geeignet für: Fahrer mit hohem Reichweitenbedarf und Nutzer, die Wert auf eine klar dokumentierte deutsche ABE legen.
6. VMAX VX2 Pro – deutsche und internationale Version genau unterscheiden
Der VMAX VX2 Pro zeigt besonders gut, warum Käufer die konkrete Modellvariante prüfen sollten.
Das Modell wird sowohl mit 20 km/h als auch mit 25 km/h angeboten. Die deutsche 20-km/h-Version besitzt Straßenzulassung, während VMAX die 25-km/h-Ausführung ausdrücklich als Variante ohne deutsche Straßenzulassung kennzeichnet.
Je nach Akkuausführung werden Reichweiten von 35, 45 oder bis zu 60 km angeboten. Die maximale Zuladung beträgt 130 kg.
Für die deutschen 20-km/h-Scooter stellt VMAX außerdem eine Datenbestätigung zur Verfügung, die für den Abschluss der notwendigen Versicherung benötigt wird.
Geeignet für: Fahrer, die einen leistungsorientierten Scooter suchen und bewusst zur deutschen 20-km/h-Version greifen.
Woran erkenne ich vor dem Kauf einen legalen E-Scooter?
Ein Aufdruck wie „EU-Version“, „CE-zertifiziert“ oder „für Europa geeignet“ bedeutet nicht automatisch, dass ein E-Scooter in Deutschland legal auf öffentlichen Straßen gefahren werden darf.
Vor der Bestellung sollten Käufer deshalb auf mehrere Punkte achten:
- ausdrücklich angegebene Straßenzulassung für Deutschland
- ABE beziehungsweise entsprechende Betriebserlaubnis
- deutsche 20-km/h-Version
- vorhandene Datenbestätigung
- Möglichkeit zur Anbringung des Versicherungskennzeichens
- vollständige Beleuchtung und vorgeschriebene technische Ausstattung
Besonders bei Marktplätzen und Importangeboten lohnt sich ein genauer Blick in die Produktbeschreibung.
Ist ein E-Scooter mit 22 km/h noch erlaubt?
Die eKFV nennt eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von höchstens 20 km/h. Gleichzeitig können bei technischen Messungen beziehungsweise der konkreten Fahrzeugzulassung Toleranzen eine Rolle spielen.
Für Käufer ist allerdings nicht entscheidend, selbst mit solchen Toleranzen zu rechnen. Wichtig ist, ob die konkrete Fahrzeugversion eine gültige deutsche Betriebserlaubnis besitzt.
Deshalb sollte die Kaufentscheidung nicht nach dem Motto „22 km/h wird schon erlaubt sein“ getroffen werden. Maßgeblich ist die zugelassene Ausführung des jeweiligen Fahrzeugs.
Darf man einen zugelassenen E-Scooter schneller machen?
Technische Veränderungen können Auswirkungen auf die Betriebserlaubnis haben.
Ist die Betriebserlaubnis erloschen, darf das Fahrzeug nach der eKFV nicht auf öffentlichen Straßen in Betrieb gesetzt werden.
Wer seinen Scooter legal im Straßenverkehr nutzen möchte, sollte ihn deshalb in der genehmigten Konfiguration betreiben.
Das gilt insbesondere für Änderungen an Geschwindigkeitsbegrenzung, Antrieb oder anderen zulassungsrelevanten Komponenten.
Welche Straßenzulassung braucht ein gebrauchter E-Scooter?
Auch beim Gebrauchtkauf sollte die Dokumentation geprüft werden.
Ein günstiges Angebot ist wenig hilfreich, wenn die erforderliche Datenbestätigung fehlt oder das Fahrzeug ursprünglich als nicht zugelassene internationale Version verkauft wurde.
Außerdem sollte geprüft werden, ob der Scooter nachträglich technisch verändert wurde. Gerade bei gebrauchten Fahrzeugen ist ein unveränderter Originalzustand deshalb ein wichtiger Punkt.
Fazit: Bei Straßenzulassung zählt die konkrete Version
Wer einen E-Scooter mit Straßenzulassung sucht, sollte nicht allein Marken, Reichweiten und Motorleistungen vergleichen.
Entscheidend ist zuerst die rechtliche Basis: deutsche Fahrzeugversion, Betriebserlaubnis beziehungsweise ABE und die notwendige Versicherung.
Danach können persönliche Anforderungen den Ausschlag geben. Der NAVEE ST3 Pro und Segway MAX G3 D richten sich stärker an komfortorientierte Pendler. Xiaomi bietet einen ausgewogenen City-Allrounder. Egret positioniert sich im Premiumbereich, während der ePowerFun ePF-2 XT 835 mit großer Akkukapazität auffällt. Beim VMAX VX2 Pro zeigt sich besonders deutlich, wie wichtig die Wahl zwischen deutscher 20-km/h-Version und internationaler Variante ist.
Wer diese Unterscheidung bereits vor dem Kauf trifft, erspart sich später das unangenehme Problem, einen leistungsfähigen E-Scooter zu besitzen, der auf deutschen öffentlichen Straßen nicht gefahren werden darf.