Hamburg wächst, doch die Wohnungen ziehen nicht mit. Laut Statistikamt Nord stehen jedem Einwohner im Schnitt 38,8 Quadratmeter zur Verfügung. In einem Altbau in Barmbek oder einem Neubau in der HafenCity bedeutet das schlicht: Platz ist Mangelware. Gemütlich leben lässt es sich trotzdem. Ein paar durchdachte Handgriffe reichen völlig aus, um sich Quadratmeter zurückzuholen.
Was Unordnung mit uns macht
Chaos im eigenen Zuhause bleibt selten folgenlos. Psychologische Untersuchungen zeigen, dass ein dauerhaft unaufgeräumtes Umfeld den Cortisolspiegel anhebt und die Erholung nach Feierabend messbar erschwert. Auf 55 Quadratmetern in Eimsbüttel, wo Homeoffice, Schlafzimmer und Küche praktisch ineinanderfließen, wiegt das doppelt schwer. Aufräumen heißt deshalb nicht verzichten. Es heißt, den eigenen Rückzugsort zurückerobern und sich im Alltag merklich Luft zu verschaffen.
Wo es in Hamburger Wohnungen hakt
Der Flur quillt über, der Balkon dient als Zwischenlager, im Keller stapeln sich Umzugskartons, die seit drei Jahren niemand angerührt hat. Dieses Muster zieht sich durch nahezu jede Wohnung der Stadt. Ausgerechnet in den vergessenen Ecken steckt dabei das größte Potenzial, wenn man bereit ist, sie einmal systematisch anzugehen.
Kellerabteil und Abstellraum richtig nutzen
Ein Kellerabteil taugt zu deutlich mehr als einer Abstellfläche für vergessene Dinge. Mit einem simplen Regalsystem und stapelbaren Eurobehältern entsteht daraus ein funktionierender Lagerraum. Die genormten Boxen lassen sich beschriften, platzsparend übereinanderstellen und bei Bedarf einzeln herausnehmen. Haben Sie einmal ein System etabliert, räumen Sie auch dorthin zurück. Das endlose Suchen hat dann ein Ende, und der spontane Ausflug zum Baumarkt fällt ebenfalls weg.
Drei Grundsätze, die im Alltag funktionieren
Langfristige Ordnung hängt nicht von einer einmaligen Aufräumaktion ab. Es braucht Prinzipien, die sich ohne großen Aufwand in den Alltag einbauen lassen.
- Jeder Gegenstand bekommt einen festen Platz. Das klingt banal, verhindert aber zuverlässig das tägliche Vagabundieren von Schlüsseln, Ladekabeln und Fernbedienungen. Schluss mit dem morgendlichen Suchspiel.
- Vertikalen Raum erschließen. Regale bis unter die Decke, Wandhaken im Flur, Körbe über dem Türrahmen. In Hamburger Altbauten mit ihren hohen Decken bleibt nach oben hin erstaunlich viel Fläche ungenutzt. Dass sich das mit einem Einrichtungsgefühl für Leichtigkeit und Stil verbinden lässt, ist dabei keine Frage des Budgets.
- Einmal pro Saison ausmisten. Alles, was zwölf Monate lang unangetastet im Schrank stand, darf weiterziehen. Konsequent durchgezogen verhindert das, dass sich der Bestand schleichend wieder aufbaut.
Wohin mit den Dingen, die gehen dürfen?
Hamburg macht das Loslassen leicht. Auf der Flohschanze in Eimsbüttel oder dem Markt am Goldbekufer finden gut erhaltene Stücke schnell neue Besitzer. Sozialkaufhäuser wie Oxfam Hamburg nehmen Kleidung, Bücher und Haushaltswaren gern entgegen. Für Sperriges holt der kostenlose Sperrmüllservice der Stadtreinigung Hamburg alles unkompliziert ab. Mal ehrlich: Wann haben Sie zuletzt in Ihren Keller geschaut, ohne kurz die Augen zu verdrehen? Den ersten Karton zu packen, bleibt erfahrungsgemäß der schwerste Schritt. Danach läuft es meistens von allein.
Mehr Raum für das, was zählt
Ordnung hängt nicht an der Quadratmeterzahl Ihrer Wohnung. Sie hängt an der richtigen Strategie und einem Quäntchen Konsequenz. Schneller finden, was Sie brauchen, abends tatsächlich zur Ruhe kommen und die eigenen vier Wände wieder richtig genießen, das alles beginnt mit dem ersten aufgeräumten Regal. In einer Stadt wie Hamburg, die ihren Bewohnern ohnehin einiges abverlangt, lohnt sich jeder Handgriff, der den Alltag ein Stück leichter macht. Und manchmal fängt das eben im Keller an.